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Gedenkveranstaltung 2026

Ein Name als Auftrag und Vermächtnis

In einer feierlichen Gedenk­ver­anstaltung ehrte die Schul­gemeinschaft ihre zukünftige Namens­geberin Margot Fried­länder. Die Reden am Abend verdeut­lichten, dass die Um­benennung in Margot-Friedländer-Gymnasium weit mehr als ein symbolischer Akt ist – sie ist ein lebendiges Versprechen für die Zukunft.

© Eva Oertwig/Schroewig

Schulsprecher Johann Stein und Schülerin Emelie Fichtner heißen die Gäste willkommen. Sinn des Abends sei es, Margot Friedländer zu ehren, eine Frau, die sich gegen Rassismus und für Menschlichkeit eingesetzt hat.

Der Schüler Emil Eulitz spielte auf seiner Geige Lebensmelodien. Lebensmelodien ist ein Projekt von und mit dem Klarinettisten Nur Ben Shalom, der Gast im Publikum war. Die Lebensmelodien sind von Menschen komponiert, die während des Holocaust ermordet wurden. Das Projekt „Lebensmelodien“ wird vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, gefördert. Es ist Teil der Kooperation „Grenzgänge“, an der unter anderem neben dem Evangelischen Kirchenkreis in Tempelhof-Schöneberg und der Apostel-Paulus-Gemeinde auch die muslimische Alhambra-Gesellschaft beteiligt ist.

Der Geiger wurde am Klavier von Jia Lim begleitet. Zwischen den einzelnen Lebensmelodien las Michael Raddatz, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises in Tempelhof-Schöneberg, Texte, die an die ermordeten Musiker erinnerten.

In der ersten Reihe:  (von links) Helmut Klebank, Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Bürgermeister von Spandau * Frank Bewig, Bezirksbürgermeister von Spandau * Dr. Carola Brückner, Stellv. Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin, u.a. für Bildung und Kultur * Janika Jarling, Referatsleiterin der Schulaufsicht Spandau.

In einem kurzen Film wurden Stationen im Leben Margot Friedländers gezeigt. Margot mit Bruder Ralph. 1937

Der Chor des HCG unter Leitung von Herrn Mertens singt in einem feierlichen Auftritt „Irgendwo auf der Welt“ und „Dona Dona“.

Lotta Schuster und Julian Rebafka, beide aus dem Schulsprecherteam, sprechen frisch vom künftigen Margot-Friedländer-Gymnasium. Den Freiraum, der ihnen bei ihrer Arbeit eingeräumt wurde, wüssten sie durchaus zu schätzen.

Ein Zeichen für Menschlichkeit, Toleranz und Verantwortung

Prof. Dr. Karsten Dreinhöfer, Vorsitzender des Vorstandes der Margot Friedländer Stiftung, würdigt die Umbenennung der Schule in Margot-Friedländer-Schule als ein starkes und wichtiges Zeichen unserer Zeit. Gerade angesichts wachsender Herausforderungen für Demokratie, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt sei es entscheidend, Haltung zu zeigen und Werte aktiv zu leben.

Der Schulname sei dabei weit mehr als Symbolik: Er bewahre Erinnerung, formuliere einen Auftrag und richte den Blick in die Zukunft. Die Entscheidung stehe für Menschlichkeit, Toleranz, Verantwortung und gelebte Erinnerung.

Er erinnerte daran, dass dieses Gymnasium die erste Schule bundesweit war, die Margot Friedländer um ihre Namenspatenschaft bat. Margot Friedländer habe dieses Anliegen mit großer Freude und Stolz aufgenommen. Ihre Begegnungen mit der Schulgemeinschaft seien von Offenheit geprägt gewesen und hätten den Wunsch bestärkt, ihre Mission gerade hier fortzuführen.

Die engagierten und zugewandten Worte des Vorsitzenden der Margot Friedländer Stiftung münden schließlich in ein Lob, ein Versprechen und eine Hoffnung:
Die Margot Friedländer Stiftung ist stolz auf Euch. Sie wird Euch gerne im Sinne ihrer Stifterin unterstützen und hofft, dass auch Ihr der Stiftung verbunden bleibt!

/ Den Originaltext der Rede finden Sie hier>. /

 

Eine Schule lebt von Vorbildern

Schulleiter Henning Rußbült hebt die zentrale Bedeutung von Vorbildern hervor. Schulen lebten davon, Persönlichkeiten erlebbar zu machen, die zeigen, wie schwierige und dunkle Zeiten bewältigt werden können – mit Haltung, Mut, Empathie und Menschlichkeit, ohne zu verurteilen oder auszugrenzen. Für diese Werte stellt er Margot Friedländer als ein herausragendes Vorbild dar, das in besonderer Weise für Werte wie Demokratie, Mitmenschlichkeit und Verantwortung stehe.

Besonders eindrücklich schildert der Schulleiter seine persönlichen Begegnungen mit Margot Friedländer. Er beschreibt die Namenspatronin als eine außergewöhnlich wache, kluge und empathische Frau, die gesellschaftliche Verantwortung nicht nur eingefordert, sondern selbst gelebt habe.

Großer Dank gelte der Margot Friedländer Stiftung für die Entscheidung, der Schule die Namensrechte zu übertragen. Herr Rußbült bedankt sich ausdrücklich im Namen der gesamten Schulgemeinschaft sowie des Bezirks Spandau bei der Stiftung und insbesondere bei deren Vorsitzendem, Professor Dr. Dreinhöfer, sowie bei der Geschäftsführerin Frau Mertens.

Während die Schule bislang einen Namen getragen habe, trage nun der Name die Schule.

Wir nehmen diesen Auftrag mit Stolz und Verantwortung an, damit Margot Friedländer, ihrer Geschichte und ihre Taten niemals in Vergessenheit geraten werden. Dafür stehe ich als Schulleiter, dafür steht diese großartige Schulgemeinschaft.

/ Den Originaltext der Rede finden Sie hier>. /

 

Das authentische Zeugnis einer Zeitzeugin

Der Geschichtslehrer Ingo Kozian erinnert sich eindrucksvoll an die erste Begegnung mit Margot Friedländer am 1. März 2012 in der Aula des Hans-Carossa-Gymnasiums. Die damals 90-jährige Holocaust-Überlebende saß ruhig und aufmerksam auf der Bühne und sprach mit leiser, aber klarer und eindringlicher Stimme. Vom ersten Moment an herrschte im Saal eine außergewöhnliche Atmosphäre und eine spürbare emotionale Dichte.

Schnell wurde deutlich, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Lesung handelte, sondern um das authentische Zeugnis einer Zeitzeugin. Margot Friedländer berichtete von ihrer Jugend als Jüdin im Nationalsozialismus, vom Verlust ihrer Familie, von Ausgrenzung, Verfolgung, dem Leben im Versteck und der ständigen Angst vor dem Tod.

Besonders beeindruckend war ihr versöhnlicher und zugleich mahnender Ton. Sie betonte stets, dass die junge Generation keine Schuld an den Verbrechen der NS-Zeit trage. Ihr Anliegen war Aufklärung, nicht Anklage. Sie wollte junge Menschen sensibilisieren, Unmenschlichkeit zu erkennen und ihr entgegenzutreten – gerade vor dem Hintergrund zunehmenden Antisemitismus und Geschichtsvergessens. Ihre zentrale Botschaft lautete: „Seid Menschen!

Die Wirkung auf die Schüler*innen war nachhaltig. Viele suchten das Gespräch, ließen Bücher signieren und äußerten große Betroffenheit.

Insgesamt besuchte Margot Friedländer die Schule zwischen 2011 und 2019 neun Mal. Darüber hinaus entwickelte sich ein persönlicher Austausch zwischen ihr und Herrn Kozian, der sie als warmherzige, lebensfrohe und mutige Persönlichkeit kennenlernte.

Besonders berührt zeigte sie sich 2022 von der Anfrage, Namenspatin der Schule zu werden – eine Ehre, die ihr mehr bedeutete als jede Auszeichnung.

/ Den Originaltext der Rede finden Sie hier>. /

 

Versuche, dein Leben zu machen

Zweitzeugen – eine literarische Lesung, präsentiert von  Paula Schulze, Malin Svoboda, Raneem Hachim und Miriam Bottin. Sie lesen ausgewählte Stellen aus dem Buch von Margot Friedländer „Versuche, dein Leben zu machen“.

 


Macht den Mund auf!

Man könnte die professionelle Wahl der Stühle erwähnen, aber sie waren nur Accessoire eines bewegenden Geschehens. Die Bewegtheit hat dann auch mitgeschrieben an dem Bericht über das Podiumsgespräch mit Leeor Engländer. Autor ist der Teilnehmer Julian Rebafka (embedded journalism). Er sitzt neben Lina Olrogge (mit Micro;  HCG-Abi 2023); rechts vom geschätzten Gast die Schülerin Emelie Fichtner und der Schulsprecher Johann Stein.

Als Schülervertretung unseres zukünftigen Margot-Friedländer-Gymnasiums wollten wir im Rahmen der Gedenkveranstaltung nicht einfach „über“ Margot Friedländer sprechen, sondern spürbar machen, was sie als Mensch ausstrahlte – und was von ihr bleibt, wenn sie selbst nicht mehr im Raum sitzt. Genau dafür stand unser Podiumsgespräch mit Leeor Engländer.

Schon in der Vorstellung wurde klar: Hier sitzt nicht „nur“ ein Journalist. Ja, er hat lange eine Kolumne namens „Schmonzes“ geschrieben, ja, er kann erzählen – aber vor allem saß da jemand, der Margot Friedländer wirklich nah war. Diese Nähe war sofort spürbar.

Als wir ihn fragten, wie seine erste Begegnung mit Margot Friedländer 2005 gewesen sei, wurde der Abend plötzlich sehr persönlich. Er erzählte, dass sie ihn vom ersten Moment an faszinierte – und dass sie „direkt zueinander fanden“.

© Eva Oertwig/Schroewig

Wenn er mit ihr auf einer Veranstaltung gewesen sei, sei sie oft mit einem „so dicken Stapel“ Visitenkarten zurückgekommen. Er erzählte das gerührt und staunend – als würde er selbst nicht ganz fassen, wie viele Menschen sie in wenigen Stunden für sich gewinnen konnte.

Auf unsere letzte Frage – welcher Gedanke über diesen Abend hinaus wirken solle – antwortete er ohne Umschweife: „Macht den Mund auf!“ Nicht wegsehen, wenn Menschen ausgegrenzt werden. Nicht schweigen, wenn Unrecht passiert. Und auch: die eigene Haltung nicht verstecken, nur weil es bequemer wäre. Im Raum war es kurz still – und dann kam Applaus. Kein höfliches Klatschen, sondern dieses Klatschen, bei dem man merkt: Da haben gerade viele innerlich genickt.

Für uns als SV passt dieser Satz zu dem, wofür unser Schulname steht: Wenn wir ihren Namen tragen, tragen wir auch diese Verantwortung – im Alltag hinsehen, widersprechen, den Mund aufmachen.

 

Zusammenhalt, demokratische Werte und gegenseitiger Respekt

Raneem Hachim sprach als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Vielfalt. Sie dankte der Stiftung und betonte, dass es eine große Ehre für die Schule sei, den Namen Margot Friedländer tragen zu dürfen. Dieser stehe für Menschlichkeit, Mut, Erinnerung und Verantwortung – Werte, mit denen sich die Schule identifiziere und die sie aktiv weitertragen wolle.

Ihr Dank galt auch der Schulleitung, die das Engagement der Schülerinnen unterstütze und sie darin bestärke, Verantwortung zu übernehmen und ihre Stimme einzubringen. Beispielhaft wurde die AG Vielfalt genannt, in der Unterschiede als Bereicherung erlebt würden. In diesem Zusammenhang wurde auch die wichtige Arbeit der Schulsozialarbeiterinnen und Sozialpädagoginnen gewürdigt.

Raneem schloss mit dem Wunsch, dass alle Schüler*innen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Zusammenhalt, demokratische Werte und gegenseitiger Respekt müssten an der Schule weiterhin aktiv gefördert und gelebt werden.

 

© Thomas Stolt

Vor allem an uns, die junge Generation

Die Abiturientin Malin Svoboda:

„Wir sind heute hier, um an die zu erinnern, die im Holocaust ihr Leben verloren haben. Wir sind aber auch hier, um an eine Überlebende zu erinnern, die uns trotz allem ihre Hand reichte. Margot Friedländer zeigte uns, was es bedeutet, Mensch zu sein, was es bedeutet, aus der Vergangenheit zu lernen. Diese Botschaft gab sie vor allem an uns, die junge Generation, die Schülern weiter.“

„Diese Verantwortung und Ehre wurde uns insbesondere durch den Schulnamen übertragen. Dafür möchte ich mich im Namen der Schülerschaft bei der Margot Friedländer Stiftung bedanken. Ich weiß noch genau, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich und mein Vater, der auch Elternsprecher ist, auf der Veranstaltung für die Margot-Friedländer-Sonderbriefmarke herausgefunden haben, dass unsere Schule in der sehr engen Auswahl war. Ich war in dem Moment dankbar, und ich bin es jetzt auch, dass Sie, liebe Stiftung, sich für uns entschieden haben.

Diese Ehre wurde ermöglicht durch das unermüdliche Engagement vieler einzelner Personen in der Schulgemeinschaft.“ Malin nennt u.a. Frau Wolf, Herrn Kozian, das Team Schulsozialarbeit, Eltern, Schulleiter Rußbült, Schüler:innen und den Förderverein.

Malin schließt mit einer Verpflichtung: „Wir alle haben die Verantwortung, Margot Friedländers Botschaft in die Welt zu tragen als Zweitzeugen.“

 

Umut Durmaz schenkt unserem Schulleiter und dem Vorstandsvorsitzenden der Margot Friedländer Stiftung Dr. Carsten Dreinhöfer ein gerahmtes Bild. Zum Hintergrund: Schüler:innen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung hatten Postkarten gestaltet als Dank dafür, dass unsere Schule nach Margot Friedländer benannt wird.

© Eva Oertwig/Schroewig

Seid Menschen – weltweit!

Schüler:innen der AG Vielfalt hatten die Idee, Margot Friedländers Botschaft „Seid Menschen“ in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Die Schülerinnen Rhagad al Saleh und Malika Hannach haben ein Banner dem Schulleiter überreicht.

 

In seinem Schlusswort zeigt sich Henning Rußbült, der – so seine Worte – als Schulleiter schon viele Veranstaltungen erlebt hat, sehr beeindruckt von der Gedenkveranstaltung: „die Qualität, die Ernsthaftigkeit und die Kreativität; aber auch die Dankbarkeit und dieses tiefe Empfinden für Margot Friedländer, das man in allen Beiträgen spüren konnte. Ich bin unglaublich glücklich, mit solchen Schülerinnen, mit solchen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam zu arbeiten.“

Und es war Zeit zu danken – der Dank galt

  • den freundlichen Spendern des Buffets: Herrn Klebank, Herrn Bewig und Frau Dr. Brückner
    und zwei weiteren Spendern aus dem Förderverein und der Elternschaft
  • dem Förderverein, der die Veranstaltung in erheblichen Maße finanziell unterstützt hat
  • der Margot Friedländer Stiftung für Mitgestaltung und hilfreiche Unterstützung.

Außerordentlich dankbar

Ein ganz besonderer Dank galt der Erzieherin Jasmin Siebens vom Team Schulsozialarbeit. Sie habe gemeinsam mit Ingo Kozian, den Schülerinnen und Schülern sowie dem Elternsprecher Thomas Stolt die wesentlichen Planungen für den Holocaust Gedenktag am Vormittag und Nachmittag kommuniziert, organisiert und unterstützt. „Sie hat dies in herausragender Weise getan und dabei den Schülerinnen und Schülern einen großen Freiraum eingeräumt, der sich in der beeindruckenden Planung des Programms besonders eindrucksvoll ausgedrückt hat. Ich bin ihr außerordentlich dankbar für diesen großartigen Job!

Hier und bei allen anderen Vorführungen und Reden: Das Publikum, gediegen in Schwarz, zollt warmen, intensiven Applaus.
In der ersten Reihe fünf Schüler:innen, der Fachbereichsleiter Gesellschaftswissenschaften Herr Kozian und – für Margot Friedländer Stiftung – die Geschäftsführerin Frau Mertens und der Vorstandsvorsitzende Prof. Dreinhöfer.

FOTOIMPRESSIONEN vom anschließenden Beisammensein finden Sie hier>

NACHTRAG
Eine solche Veranstaltung plant sich nicht und läuft auch nicht von selbst. Hier die Macher und Macherinnen:

© Eva Oertwig/Schroewig

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Falls diesem oder jener ein Foto nicht ganz zupass kommt, lassen Sie es mich bitte wissen. Ich nehme es umgehend heraus.  heun@hcog.de

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Text: Manfred Heun; Mitarbeit: Jasmin Siebens; Johann Stein, Julian Rebafka, Thomas Stolt
Fotos: Manfred Heun;  Örtwig/Schroewig/Margot-Friedländer-Stiftung (5); Thomas Stolt (1); Rußbült (1)