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Interview

 

Interview

Die Siegerinnen im Interview

 

Siegerinnen

Sabrina Klein                                  Esther Willma

Thema des Philo-Wettbewerbs:
Die Internet-Welt

 

 

Dr. Ulrich Müller: Liebe Sabrina, liebe Esther, noch mal herzlichen Glückwusch zum ersten und zweiten Preis im allerersten HCO-Philo-Wettbewerb und auch vielen Dank für Ihre Bereitschaft, einige Fragen zu beantworten!

Meine erste Frage richtet sich an Sie beide: Welche Bedeutung hat dieser Preis eigentlich für Sie?

 

Skepsis

Der Philosoph, der fragt. Und Skepsis steht seiner Profession gut an. (d.Red.)

 


Sabrina Klein:
Darf ich darüber erst mal nachdenken?

            (Sowas hört der Philosph gern. d.Red.)

Müller: Selbstverständlich!

 

Frage im Raum Die Frage steht im Raum.

 


Esther Willma
: Für mich bedeutet der Preis einen schönen Abschluss meiner Schulzeit auf der HCO. Außerdem verschafft er mir eine weitere freudige Erinnerung an den Philosophieunterricht.

Sabrina: Ich freu mich sehr darüber, und es ist für mich ein Zeichen, dass ich auf jeden Fall weiß, es ist nicht schlecht, was ich schreibe, und ich denke, dass es für die Zukunft auf jeden Fall ein positives Feedback für mich ist, wenn ich mir überlege, vielleicht auch mal etwas im schriftstellerischen Bereich zu machen. Ich weiß jetzt, dass ich anscheinend die Begabung dafür habe.


Müller: Ja, auf jeden Fall! In meinem Kurs waren Sie immer die Beste. Haben Sie eigentlich damit gerechnet, etwas zu gewinnen oder kam das sehr überraschend?


Sabrina
: Erst mal Dankeschön! Ich hab‘s mir natürlich erhofft, aber es ist ja noch mal etwas Anderes, ob man im Unterricht gut ist, philosophische Texte analysieren kann, oder ob man etwas Freies schreibt. Und ich weiß, dass viele Leute in meinem Jahrgang gut frei schreiben können, deshalb dachte ich mir schon, dass es auf jeden Fall Konkurrenz gibt. Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet.


Müller: Und Sie, Esther?

Esther: Direkt damit gerechnet habe ich nicht, weil ich das Essay nicht primär für den Wettbewerb geschrieben, sondern es eher als eine Art größere Hausaufgabe für den Philosophieunterricht angesehen habe.

Müller: Esther, wie hat sich für Sie das Schreiben dieses Essays angefühlt, im Unterschied etwa zu Ihrer BLL-Arbeit?

Esther: Naja, die BLL hatte ja einen viel größeren Umfang und war deutlich anspruchsvoller. Bei der Bearbeitung der Facharbeit bin ich auf jeden Fall wissenschaftlicher vorgegangen als bei der Erstellung des Essays. Einen besonders gravierenden Unterschied sehe ich auch darin, dass ich das Essay viel freier schreiben konnte, als die BLL. Es gab keine einschränkenden Fakten oder Daten – man konnte  seinen Gedanken einfach freien Lauf lassen und es war nicht nötig auf Sekundärliteratur oder Quellen zurückzugreifen.

 

Müller: Ist so ein Philosophie-Schreibwettbewerb eigentlich eine sinnvolle Einrichtung für die HCO?


Sabrina
: Finde ich schon. Also, es hat mir Spaß gemacht, und man hat sich mit einem Thema mal ausführlich auseinandergesetzt, normalerweise würde man sich ja nicht hinsetzen und sich überlegen, ich schreibe jetzt etwas über die Internet-Welt. Aber wenn man so eine Aufgabe bekommt und auch die Motivation hat, da gibt es einen Preis, ja, dann ist man motiviert, sich auch mit einem Thema auseinanderzusetzen, das man sonst nicht philosophisch analysieren würde.

 

lachend Es hat ihr Spaß gemacht.

 

Esther: Ja, auf jeden Fall! Die Schüler werden animiert über Dinge nachzudenken, die im Alltag zwar stets eine große Rolle spielen, über deren Bedeutung man sich jedoch normalerweise keine großen Gedanken macht. Eine intensive Auseinandersetzung mit sich und seiner Umwelt ist sicherlich auch im Hinblick auf den Reifeprozess der Schülerinnen und Schüler sehr nützlich.

 

Müller: War das Thema denn gut gestellt, oder sollten wir nächstes Mal etwas anders machen?

Sabrina: Ich fand’s gut, weil man es selber eingrenzen konnte, denn es ist ein weites Themengebiet und deshalb hatte man viel Auswahl.

Esther: Ich fand die Themenstellung auch sehr gut, vor allem weil sie einem relativ viel Freiraum für die inhaltliche Gestaltung gelassen hat. So war zum Beispiel die Beleuchtung eines besonderen Details genauso möglich, wie eine weitläufige Betrachtung des Themas.

Müller: Esther, Sie haben in Ihrem Essay davon gesprochen, der Internet-Nutzer verliere leicht das Gefühl für Zeit und Raum? Ist Ihnen das auch schon einmal passiert?


Esther
: Ja, das ist mir tatsächlich schon passiert. Besonders, was die Zeit angeht. Ich recherchiere im Internet z.B. öfters nach bestimmten hinduistischen Bräuchen und da kommt es schon ziemlich schnell vor, dass ich mich immer tiefer in die Thematik hineingrabe und es mir schließlich sehr, sehr schwerfällt einen Schlussstrich zu ziehen.


Müller
: Sabrina, in Ihrem Essay haben Sie u.a. von einer Desensibilisierung der Wahrnehmung beim Chatten gesprochen. Daher die etwas persönliche Frage: Wie und in welchem Umfang nutzen Sie selber eigentlich die „Sozialen Netzwerke“?


Sabrina
: Also, ich bin auch bei „facebook“ und nutze das gerne, schau mich da auch gerne um und so, aber zum Chatten nutze ich es im Moment eher weniger, früher mehr. Aber jetzt habe ich wenig Zeit und inzwischen auch gemerkt, dass es mir mehr Spaß macht, mit den Leuten echt zu reden, und so treffe ich mich lieber mit meinen Freunden, statt mit ihnen zu chatten.

 

facebook


Müller: Verstehe ich gut. Wie sieht es bei Ihnen aus, Esther?


Esther
: Also, das Internet nutze ich schon sehr regelmäßig. Es beginnt mit einem morgendlichen Checken der Emails und dem Abrufen von Neuigkeiten bei facebook.  Dann bin ich immer mal wieder über den Tag verteilt kurz online, um nach neuen Nachrichten zu schauen. Falls dann gerade mal jemand online ist, den man schon länger nicht gesehen hat, kann es durchaus vorkommen, dass einige Stunden ins Land gehen, ehe man den Chat abbricht. Das kommt aber zum Glück nicht allzu häufig vor. Insgesamt gesehen würde ich sagen, dass ich kein Internet-Suchti bin – in meiner freien Zeit zieht es mich nämlich mehr in die Natur als an den PC.


Müller: Welche anderen Themen könnten Sie sich für einen 2. Philo-Wettbewerb vorstellen
?


Esther
: Die Frage nach dem Sinn des Lebens fände ich sehr interessant. Ansonsten eventuell Themen, die das Problem der Globalisierung aufgreifen.

 

Halbheiten Global. Der Philosoph meidet Halbheiten.

 

Sabrina: Hmm, da fällt mir spontan gerade nichts ein.


Müller
: Schade, ich dachte, ich könnte mir eine weitere gute Anregung holen.


Sabrina
: Ja, ich persönlich mag immer Sachen, die einen psychologischen Aspekt mit drin haben, irgendetwas aus diesem Themengebiet fände ich gut, aber es würde mich ja nicht mehr betreffen.

Müller: Ja, das ist leider so.

Zwischenruf des Fotografen Herrn Heun: Ich würde vorschlagen: „Lohnt sich Liebe?“

Müller: Ich werd’s mir mal notieren. (Gelächter). – Sabrina, was bedeutet Ihnen persönlich die Philosophie oder, besser gesagt, das Philosophieren?

(Hic Rhodus, hic salta! (lateinisch: Hier ist Rhodos, hier springe!) )

Philosophie – ganz handlich:

 Hand 1 Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand.

 

 

Hand 2  Andererseits muss man um die Antwort auch etwas ringen.

 

 

Hand 3 Ganz wichtig: Man muss sich öffnen. Und ab geht’s!

 

Sabrina: Also, mir hat das schon früher immer sehr viel Spaß gemacht, als es das Unterrichtsfach bei uns noch nicht gab, mit Freunden über bestimmte philosophische Dinge zu reden, wie z.B., wer man eigentlich ist und inwiefern die Außenwelt um einen herum überhaupt existieren muss und wie man sich sicher sein kann – das habe ich schon sehr früh mit Freunden gerne diskutiert – da haben wir auch sehr lange Gespräche geführt und fanden das immer sehr interessant! Ich denke auch, dass Philosophie für das ganze Leben eine sehr wichtige Bedeutung hat, und deshalb fand ich überhaupt die Idee, das Fach an unserer Schule einzuführen, total toll, und ich habe es dann auch sofort gewählt.

Esther: Für mich ist die Philosophie untrennbar mit dem Leben verbunden und nimmt daher einen recht großen Stellenwert ein. Meist geraten wir mit unseren Betrachtungen des Lebens bereits in den Bereich der Philosophie, ohne es überhaupt zu merken – die Philosophie ist somit unser ständiger Begleiter. Es stellt sich wohl jeder Mensch die Fragen „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“… Fragen, die sich nicht ohne weiteres beantworten lassen, uns aber seit Jahrtausenden faszinieren.

Müller: Gibt es irgendein philosophisches Lieblingsthema oder ein Gebiet, das Sie besonders interessiert?

Sabrina: Oooh, ähm, also …


Müller
: Oder einen Lieblingsdenker?

Sabrina (lachend): Denker jetzt nicht unbedingt, aber als Thema finde ich immer alles interessant, was mit dem Leben nach dem Tod zu tun hat, oder darüber nachzudenken, ob überhaupt etwas nach dem Tod kommt; überhaupt Themen, die mit Unendlichkeit zu tun haben, Unendlichkeit von Raum und Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, auch wenn das meistens ins Leere läuft, irgendwann, aber da kann man sich schon sehr viele spannende Gedanken machen …


Müller: Also schon Metaphysik?
[die Philosophie der letzten, nicht erfahrbaren Gründe]


Sabrina
: Also Physik ist jetzt nicht unbedingt mein Gebiet …


Müller
: Nein, META-Physik!

Strenger Begriffliche Strenge im Antlitz des Philosophen

 

Sabrina: Ja, das ist schon eher mein Interesse.


Müller
: Das meinte ich, die letzten Dinge eben. Und Sie, Esther?

Esther: Von den Semesterthemen ganz klar „Staatsphilosophie“, was vermutlich auch daran liegt, dass ich Geschichte als Leistungskurs belegt habe und es mich fasziniert, wie verschiedene Staatsmodelle den Lauf der Geschichte entscheidend prägten. In unserer heutigen geordneten, deutschen Demokratie erscheinen uns einige Staatskonzepte sicherlich häufig bedrohlich oder utopisch, aber es ist durchaus reizvoll, sich über solche Alternativen Gedanken zu machen. Abgesehen von den Semesterthemen interessiert mich allerdings die Religionsphilosophie am meisten.


Müller
: Könnten Sie sich auch vorstellen, das Fach mal an einer Uni zu studieren, sei es als Haupt- oder Nebenfach?

Sabrina: Ich glaube, Philosophie direkt nicht, das wäre mir dann zu viel, aber so als Freizeitbeschäftigung mache ich’s gerne, und auch die 3 Wochenstunden in der Schule fand ich immer sehr schön, aber an der Uni mich hauptsächlich damit zu beschäftigen, da wär dann ja auch das Einzige, was man damit machen könnte, Lehrer? Oder könnte man damit noch andere Berufe bestreiten?


Müller
: Ja, es wählen viele als Zweitfach, etwa zu Jura, Journalistik, Sprachen oder Theologie.


Heun
: Was möchten Sie denn studieren?

Sabrina: Psychologie.

Müller: Da gibt es ja viele Verwandtschaften zwischen den Fächern, Psychologie hat sich aus der Philosophie heraus entwickelt. –  Esther, ich weiß, dass Sie Indologie studieren wollen. Wird Philosophie in diesem Studium irgendeine Rolle spielen?


Esther
: Ja, die Philosophie spielt in meinem Studiengang sogar eine recht große Rolle. Da ich mich weniger für die südasiatische Politik und Wirtschaft interessiere, werde ich mich schwerpunktmäßig auf die Sprachen, Kulturen und Religionen Indiens konzentrieren, was bedeutet, dass ich viel über die philosophischen Sichtweisen des alten, aber auch des neuen Indiens lernen werde.


Müller: Sabrina und Esther, ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses Gespräch und genauso Herrn Heun fürs Fotografieren.

 

Zwei lachend

 Lächeln  zum Ende des Interviews – extro- wie introvertiert

 

 Sabrinas Essay:  Jugendkommunikation im Internet

 

 Esthers Essay: Die Internet-Welt

 

 

 

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