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Interview mit Herrn Seydel

Herr Seydel bringt Erfahrung mit

Interview mit dem neuen
Fachbereichsleiter Moderne Fremdsprachen

Sein beruflicher Weg ist etwas ungewöhnlich. Christian Seydel kehrt nach mehrjähriger Tätigkeit in Qualitätsentwicklung und Schulverwaltung wieder in die Schule zurück. Ich habe Herrn Seydel gebeten, für die HCG-Schulhomepage ein paar Fragen zu beantworten und Abschnitte seiner Vita für uns kurz zu kommentieren.

 

 

 

Eine berufliche  Vita in vier Schritten

SCHULE und STUDIUM
1994   Abitur am Gymnasium Fallersleben in Wolfsburg
1995 – 2003   Studium der Anglistik und Germanistik (FU Berlin / University of Edinburgh)

Ich komme aus der niedersächsischen Provinz. Nach dem Zivildienst zog es mich schnell in die große Stadt. Ich fürchte, man könnte mich als Langzeitstudenten bezeichnen …

JUNGLEHRER in BERLIN
2003 – 2004    DaF-Lehrer (Deutsch als Fremdsprache) an der Hartnack-Schule
2004 – 2006    Referendariat am Rheingau-Gymnasium in Berlin-Friedenau
2006 – 2007    Englischlehrer am Ev. Gymnasium Zum Grauen Kloster

Das waren schöne Jahre! Die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht.

HAMBURGER JAHRE
2007 – 2016    Lehrer für Englisch, Deutsch und Theater am Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg
2010 – 2014    Fachseminarleiter Englisch
2012 – 2018    Fachautor für Oberstufenlehrwerke; Veröffentlichungen in Fachzeitschriften
2014 – 2016    Fachkoordinator und Fachreferent für das Fach Englisch in der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg

Hamburg ist eine tolle Stadt, das Tor zur Welt. Für mich war es das Tor zu neuen beruflichen Erfahrungen und Herausforderungen.

SCHULVERWALTUNG
2016 – 2018    Masterstudiengang „Schulmanagement“ an der TU Kaiserslautern (Fernstudium)
2016 – 2018    Koordinator für das Fach Englisch (Sek. II) am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen
2018 – 2020    Leitung einer Fachgruppe in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie; Aufgabengebiet: Grundsatzfragen der Fremdsprachen, bilingualer Unterricht und Herkunftssprachenunterricht

Ein großer Schritt raus aus dem Schulleben. Die Gestaltungsspielräume waren unterschiedlich groß. Eine sehr interessante und bereichernde Zeit, in der ich aber immer mit etwas neidischem Blick auf Freunde geschaut habe, die als Lehrkräfte das vitale Schulleben genießen. 

Sechs Fragen und ein Satz

Herr Seydel, Sie haben vor knapp zwei Jahren die Leitung der Fachgruppe für Grundsatz­angele­genheiten der Fremdsprachen in der Senatsverwaltung für Bildung übernommen, eine Arbeit mit vielen Innova­tions­möglich­keiten. Was zieht Sie zur direkten pädagogischen Arbeit an der Schule zurück?

Die Arbeit in der Fachgruppe war in jeder Hinsicht interessant. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich konnten vor allem in den Bereichen bilingualer Sachfachunterricht und beim Ausbau des herkunftssprachlichen Unterrichts in Berlin einiges bewegen. Dennoch habe ich zunehmend gemerkt, dass es mich an die Schule zurückzieht, also in den Beruf, den ich ursprünglich einmal gelernt habe.

Was reizte Sie, sich auf eine Stelle am HCG zu bewerben?

Das HCG hat einen hervorragenden Ruf. Besonders reizvoll finde ich, wie die Schule im Bereich Fremdsprachen aufgestellt ist. In meiner fachaufsichtlichen Tätigkeit für den bilingualen Sachfachunterricht in Berlin hatte ich zudem viele positive Berührungspunkte mit dem HCG. Da lag eine Bewerbung an dieser Schule nahe.

Sie haben als Englisch-Lehrer an ver­schie­denen Stellen konzeptionell an der Weiterentwicklung eines modernen Fremdsprachenunterrichts mitgearbeitet. Wo sehen Sie aktuelle Entwicklungen in der Fremdsprachendiadktik?

Ich glaube, dass der Fremdsprachenunterricht in Deutschland in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch die Bildungsstandards in den Fächern Englisch und Französisch, einen sehr fruchtbaren Innovationsschub hinter sich hat. Vor allem die Betonung der Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht ist aus meiner Sicht ein Segen.

Mir ist es ein Anliegen, dass sich die einzelnen fremdsprachlichen Fächer noch stärker mehrsprachigkeitsdidaktischen Aspekten öffnen und sprachvergleichend über den Tellerrand hinausschauen. So kann die Ausbildung von Sprachbewusstheit bei Schülerinnen und Schülern gefördert werden, in einer globalisierten Welt quasi eine Superpower. Bei einem solchen Ansatz bekommen auch Sprachen wie Latein oder die zahlreichen Herkunftssprachen, die es am HCG ja auch gibt, einen ganz anderen Stellenwert.

Sie waren drei Jahre am Institut zur Qualitäts­entwicklung im Bildungs­wesen (IQB) koordinierend für den Bereich Englisch im Projekt „Gemeinsame Abitur­aufgaben­pools der Länder“ tätig. Was stand da auf der Tagesordnung?

Die Arbeitsgruppe am IQB entwickelt Abituraufgaben, die in ganz Deutschland zum Einsatz kommen. Die größte Herausforderung dabei war es, die Rahmenbedingungen von 16 Bundesländern im Bereich der Aufgabenentwicklung im Fach Englisch anzugleichen. Das ist mal besser und mal weniger gut gelungen.

Unsere Schülerinnen und Schüler fragen gerne: Haben Sie ein Haustier?

Zurzeit leider nicht. Meine Familie hatte lange Jahre einen Hovawart als treuen Begleiter. Meine beiden Söhne fragen ständig nach, ob wir uns nicht wieder einen Hund anschaffen könnten. Ich fürchte, ich kann da nicht mehr lange widerstehen.

Welchen Satz über sich würden Sie gerne öfter hören?

„Warum hat der HSV den denn nicht für die Innenverteidigung verpflichtet?!“

Bitte vollenden Sie folgenden Satz: In 10 Jahren …

Da fällt mir eine Stelle aus den Geschichten von Herrn Keuner von Bertolt Brecht ein:
„Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‚Sie haben sich gar nicht verändert.‘ ‚Oh!‘ sagte Herr K. und erbleichte.“
So geht es mir in zehn Jahren hoffentlich nicht.

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Interview: M. Heun
Foto: bildwerkstatt nienstedten